Tagebucheintrag vom Sonnen-Tag, den 20.
September 2023
Meine Güte, wie die Zeit vergeht, auch ohne das der Computer angeschaltet
war. Es sind schließlich bereits 10 Tage seit meinem letzten Post hier
vergangen. Jedoch bin ich im Augenblick noch so eingenommen, von den letzten
Tagen, wo ich hier nicht zum Schreiben gekommen bin, daß ich gar nicht weiß, wo
beginnen.
Ohnehin war es nun erst einmal an mir zu reflektieren, über all‘ das, was geschah und es war mir gleichwohl ein Bedürfnis gewesen das zu tun.
Und an dieser Stelle scheinen mir mittlerweile Dinge zu sein, über die ich
schreiben und auch andere, über die ich, aus Gründen des Anstandes heraus,
lieber schweigen möchte, auch, damit der Post nicht zu umfangreich wird. So wie
so möchte ich heute NICHT so akribisch sein, was meine „Gesundheit-Mond-Wetter-Aufzeichnungen“
betrifft, sondern eher eine möglichst kurze Zusammenfassung bieten. Nur, ist
die „Einleitung“ nicht bereits zu lang? Smlie…..
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Nun, zum Lesen und Videos Schauen bin ich nicht gekommen und auch der
Computer blieb aus. Der Fokus der letzten Tage lag, nach Jörgs und meinen Physio-Terminen
im Laufe der letzten Woche, den täglichen Hausarbeiten, kochen, waschen, bestellen,
Rechnungen bezahlen, einkaufen, saubermachen und organisieren, auf unserem „Besuch“,
was ja gleichwohl keine Alltäglichkeit war.
Die Kurzfassung wäre: Die Bude wurde geputzt, der Besuch kam, ging und dann
wurde wieder geputzt.
Das Putzen war eigentlich nicht so vorgesehen. Aber gut, man gibt sich Mühe,
daß alles gut hergerichtet ist, sowie genug Speisen vorrätig sind. Es bedarf
schon einiger Vorbereitung, wenn Gäst(e) kommen.
Der Verspätung der Züge wegen hatte sich die Ankunftszeit allerdings nach hinten
verschoben. Daher fuhren wir dann am Samstagnachmittag nach Saalfeld, unseren
Gast vom Bahnhof abzuholen. Auch ich war dabei, da ich schon ein wenig
neugierig war auf Sybille.

Ich kann allerdings ausschließlich aus meiner eigenen Sicht heraus
berichten, wie ich es empfand. Die ersten Schwierigkeiten ergaben sich, wie von
mir befürchtet, bei der Schlafgelegenheit. In einer Neubauwohnung, wo für gewöhnlich, wie hier,
nur zwei Menschen wohnen und alles auf deren Bedürfnisse aus- und eingerichtet
ist, wird es schwierig, meiner Meinung nach, wenn eine Dritte dazukommt, auch,
wenn nur für eine kurze Zeit. So stand ich am ersten Abend bereits gegen neu (ohne
Sommerzeit!) am Abend im Flur und wußte nicht so richtig wohin mit mir. Denn,
natürlich war unser Gast seit dem frühen Morgenstunden unterwegs und war nun recht
müde und ausgelaugt. Das sah ich natürlich ein. Und so wie so hatte ich an der
bis dahin geführten Unterhaltung kaum teilnehmen könne, weil sich Jörg und Sybille über die
jeweiligen Armee-, respektive Marine-Zeiten unterhielten, wofür ich mich ja nun
überhaupt nicht erwärmen kann.
So schlich ich letztendlich noch eine Weile im Flur umher, putze langsam meine Zähne und
verzog mich dann in mein Schlafzimmer, wo ich noch die Beine cremte, was ich
sonst im Wohnzimmer tat. (Im Winter wäre das schlecht.)
Am ersten Tag fragte ich mich noch, was ich von ihr lernen könnte, wie ich
das stets zu tun pflege. Aber dann stellte sich für mich heraus, daß es nur
wenige Sachen sind. Kochrezepte vielleicht……?
Denn, von einem Gesundheits-Bewußtsein, vom Interesse an essenziellen Fragen
und vom bewußten Sein ist sie so weit entfernt wie man es nur sein kann. Bernhardt Wirth würde
sagen, sie lebt ausschließlich in der „bösen Vier“, d.h. nur in dieser illusionären
Welt - von den Tibetern "Maya" genannt - der Materie.
Am Morgen darauf,….beizeiten auf. Es wurde ein Kartoffelsalat gekocht,
dessen „Art“ ich so nicht kannte - Fotos dazu gibt es leider nicht - und nicht unbedingt wiederessen möchte. Was
nicht bedeutet, daß er nicht gut zu essen war. Nein, er schmeckte schon ganz annehmbar, auch wenn er für uns ungewohnt war..........
Nach dem Essen legte sie sich für eine Weile hin und ich fragte mich, was
tun, denn, aus Höflichkeit, richtet man sich schließlich schon nach dem Gast
und ich hatte auch keine andere Wahl. Sie tat einfach……. Also saß ich nur in
meinem Sessel und eh ich nur die Decke anstarrte, sah ich mir, mit leisem Ton, ein
Video an, was ihr nicht so sehr zu gefallen schien.
Am Nachmittag blieb ich in der Wohnung, währenddessen Jörg mit Sybille an
der Talsperre war. Jörg kam total erschöpft und mit Schmerzen zurück und meinte
nur, daß ihre Fitness ihn schon überrascht hätte, wie sie so den Berg
hochgegangen war. Obendrein hatte er sich selbst wohl ein wenig überschätzt.
Da Sybille keinen Fernseher hat, war es für sie womöglich ungewohnt.
Dennoch richtete sich das Programm nach ihr. „Dr. Mabuse“. Alte Filme eben, die ICH, bei guter Laune, vielleicht
einmal im Jahr so schau‘. Allerdings war wieder frühes zu Bett gehen angesagt, da Sybille am Montagmorgen einen Termin beim Landrat Herrn Sesselmann hatte.
Jörg hat sie morgens nach Neuhaus gefahren und……am Nachmittag wieder von
dort abgeholt. Sie hatte sich in Neuhaus noch eine Thüringer Bratwurst gegönnt.
Kaffeetrinken, Abendessen, erneut ein wirklich alter Film (Luis Trenker) und
dann beizeiten zu Bett, da sie am Dienstagmorgen abreisen wollte. Allerdings
hatte sie für den letzten Morgen hier beim Bäcker noch Semmeln bestellt. Der Jörg
hat sie wieder gefahren. - Ja, ja, der hatte allerhand zu tun. -
Resümee: Es war schön Sybille einmal persönlich kennenzulernen,
nach so langer Zeit, die wir uns aus fb und von Telefonaten kannten. A-b-e-r, wie das so ist mit
Besuch, ich war dann auch wieder ganz froh darüber, als sie gegangen ist und
DAS schreibe ich mal jetzt einfach so………
Trotz alledem, wie habe ich mich
gefühlt, die ganze Zeit? - Ein wenig aus meiner Mitte genommen/gekommen……. -
Es war anstrengend, in jeglicher Weise für mich. Ich habe mich zuweilen
schon sehr zurücknehmen müssen. Körperlich ging es mir soweit ganz gut.
Ich bin ja schließlich nicht all ihre Wege mitgegangen. Das hätte ich nicht
gekonnt! Die Vor- und Nachbereitungen waren für mich körperlich das Anstrengendste.
So rein geistig war sie eine Herausforderung, weil,…..wir so derart unterschiedlich
sind und denken, auch, was das Weltbild an sich betrifft. Sie meint gegen das
System zu kämpfen und bewegt sich doch auf deren Parket. Meiner Meinung nach
ist es mit ihr ähnlich wie mit den Matriarchalen, auch sie läßt sich vom System
am Nasenring durch die Arena ziehen, ohne es zu bemerken und,…sie hält daran vehement
fest(!), wo ich mir so oft auf die Zunge beißen musste. Ich vermochte kaum mit
ihr über etwas zu reden............ und hielt einfach.......(den Mund) still.
Schwierig war auch für mich ihrem
Tages-Rhythmus zu folgen, was ich aus Anstand schon tat. Eigentlich hätte es
umgekehrt sein müssen, wenn man wo zu Besuch ist, meine ich. Ähnlich war es mit
dem Abendprogramm. Aber gut…….
Am Abend dann kam ich mir allerdings dann stets vor,
wie vor die Tür gesetzt, wenn ich mein Wohnzimmer verlassen musste. Und am Morgen
fühlte ich mich genötigt beizeiten aufzustehen.
Man hat ja auch als älterer Mensch und nach all den Krankheitsgeschichten so
seine Befindlichkeiten, die in jenen Tagen ihres Besuches zurücktreten mußten,
was mir nicht so gefiel.
Nur gut, daß es mir an all den Tagen gesundheitlich recht gut gegangen ist.
Beim Vater waren wir nicht gewesen. Er rief allerdings an.
Zum Haus rüber sind wir letztendlich aus Sicherheitsgründen - dem Sohn hatte man wieder eine Grippe angehängt - nicht gegangen, wo ich noch dachte, daß Sybille auch im Haus hätte schlafen können, denn die gesamte obere Etage ist schließlich frei. Allerdings zeigte sie ohnehin nur wenig Interesse daran.
Gestern Nachmittag, als ich aufgeräumt, Mittag gegessen und die Wäsche auf
der Leine hatte, bin ich noch einmal ein Stück spazieren gegangen. Zuerst rüber
zum Haus – drinnen war ich allerdings aus Sicherheitsgründen nicht, um mich nicht anzustecken! – habe meinem
Sohn etwas zu Essen gebracht und die Rosen im Garten fotografiert. Dann noch
ein kleines Stück den Kirchberg hoch und ein paar Fotos gemacht.
Heute atme ich, trotz Haare waschen, Gesichtspflege und Wäsche machen, ein
wenig auf. Die Sybille hatte ich auch angerufen und wir hatten noch einmal eine
Zeit lang gequatscht, wo ich schon ein wenig hab‘ durchblicken lassen, daß ihr
Besuch hier für mich nicht ganz so einfach war,…….aufgrund des fehlenden
Platzes vor allem....natürlich......und ebenso, daß es doch recht anstrengend für mich war, auch aufgrund unserer ganz und gar verschiedenen Sicht auf die Welt.